Theater am Olgaeck
 
Gefährliche Liebschaften
  Les Liaisons Dangereuses
  Autor:Choderlos de Laclos
  Regie:Nelly Eichhorn
  Dramatisierung:Karsten Stegemann
  Übersetzung:Christian von Bonin
  Schauspiel:
  Marquise de Merteuil  
Madame de Tourvel
Vicomte de Valmont
Diana Mayer
Anne Weidemann
Heribert Gietz
  
Die Vorstellung dauert 2 Stunden mit Pause


Unter den erotischen und gesellschaftskritischen Romanen des französischen 18. Jahrhunderts vielleicht der klüste, kühlste, unsentimentalste. Literarisch und psychologisch glänzend.
Hermann Hesse

Der Briefroman „Gefährliche Liebschaften” (Les liasons dangereuses) war schon bei seinem Erscheinen im Jahr 1762 ein „Bestseller”. Er hatte zahlreiche Skandale zu Folge und sogar die Königin Marie-Antoinette las ihn heimlich mit falschem Buchumschlag.

Schonungslose detallierte Schreibweise offenbarte den Untergang des Adels und war das Geheimnis des Romanerfolgs. Choderlos de Laclos, der später General der Revolutionstruppen wurde, beschreibt die Sinnlosigkeit des Seins und Tuns des entmachteten Adels. Wo einst Weltreiche erobert wurden, eroberte man nun das andere Geschlecht und der Ruhm wurde auch hier nach den Opfern gemessen, die man zu Strecke gebracht hatte. Pläne und Strategien der Liebeskünste wurden zur Vernichtung der liebenden Gegner verwendet.

„Gefährliche Liebschaften” erzählt die Geschichte zweier adliger Verbrecher, der Marquise de Merteuil und des Vicomte de Valmont, die beschließen, teils aus Rache, teils aus Müßiggang und Spielbetrieb eine fromme, tugend­same Frau, Madame de Tourvel langsam-quälend zu verführen sowie die unschuldige, blutjunge Cecile de Volanges zu den gemeinsten Willfährigkeiten einer verderbten Dirne abzurichten. Der Plan gelingt – bis auf einen kleinen Fehler. Der Vicomte verliebt sich Madame de Tourvel und verstößt damit gegen das von Crebillon formulierte Liebescredo des Rokoko: „Man nimmt einander, ohne sich zu lieben, man verläßt einander, ohne sich zu hassen.”

Die Inszenierung beschäftigt sich weniger mit sexuellen Eskapaden, sucht aber dafür mehr nach den Menschen und tiefen Gefühlen, die sich hinter den prachtvollen Kostümen des Rokoko und der gespielten Moral verstecken. Wie Schachfiguren nach vorher ausgetüftelter Strategie bewegen sich die Akteure. Reduziertes Bühnenbild stellt die Stärken und Schwächen der Gegner bloß. Um die Inszenierung vom Einfluß der Zeit zu entlasten, wurde die erste deutschsprachige Fassung von Christian von Bonin aus dem Jahr 1783 als Grundlage benutzt.



 
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