40 Jahre Städtepartnerschaft Stuttgart - Kairo
KAIRO TAGE
8. – 13. November 2019
Theater am Olgaeck




Grußwort

40 Jahre Städtepartnerschaft zwischen der Landeshauptstadt Stuttgart und Kairo, der „Mutter der Welt“, wie die ägyptische Hauptstadt auch genannt wird.
Die Abteilung Außenbeziehungen der Landeshauptstadt Stuttgart hat zusammen mit den zivilgesellschaftlichen Akteuren in Stuttgart und Kairo für dieses besondere Jahr 2019 ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm erarbeitet.
Der vorläufige Abschluss findet nun mit den KAIRO TAGEN im Theater am Olgaeck rund um das Unterzeichnungsdatum der Partnerschaft am 13.11. statt und wird vom Bürgermeister Dr. Schairer eröffnet. Die KAIRO TAGE vermitteln die Vielfalt der spannenden Metropole und geben einen Einblick in die Lebenswirklichkeit unserer ägyptischen Partnerstadt.
Nutzen Sie diese tolle Gelegenheit!

Nadia vom Scheidt
Leiterin der Abteilung Außenbeziehungen Landeshauptstadt Stuttgart 









 
Kairo Tage - 40 Jahre Städtepartnerschaft Stuttgart - Kairo
Fr. 8. November 19:00
Al-khoroug lel-nahar
Coming Forth by Day

Ein Spielfilm von Hala Lotfy
Ägypten 2012, 96 Min., Originalfassung (Arabisch) mit deutschen Untertiteln




Ein Tag im Leben von Suad, die mit Mutter und bettlägerigem Vater am Rande Kairos lebt. Während hinter halb geschlossenen Läden helles Sonnenlicht und die Geräusche der Stadt zu vernehmen sind, verströmt im Inneren der Wohnung alles den Geruch von Alter, Krankheit, Stagnation. Die Mutter arbeitet nachts in einer Klinik und ist tagsüber ein Schatten ihrer selbst. Auch Suad ist nicht mehr jung. Ihre Aufgabe, den kranken Vater zu pflegen, hat sie schicksalsergeben akzeptiert und das eigene Leben hinten angestellt. Doch als Suad am Abend die Wohnung verlässt und einsam durch das nächtliche Kairo treibt, wird deutlich, wie weit sie sich schon von ihren Bedürfnissen entfernt hat. Indes beginnt am Ende der Nacht ein neuer Tag, der womöglich Veränderung bringt.
In den Wirren der Revolution gedreht, legt Hala Lotfy in ihrem beeindruckenden Debüt den Fokus auf das Private und schafft darin einen revolutionären Film, ohne die Revolution selbst zu zeigen.
Al-khoroug lel-nahar lief international erfolgreich u.a. im Forum der Berlinale 2013, in Beirut und Luxor und gewann 2012 beim Oran Arab Film Festival den Göldenen Löwen, in Carthago den Bronze Tanit und in Abu Dhabi 2012 den Fipresci-Preis sowie den Preis für den besten Regisseur.


 
Kairo Tage - 40 Jahre Städtepartnerschaft Stuttgart - Kairo
Sa. 9. November 19:00
In den letzten Tagen der Stadt
In the last days of the city
Akher ayam al medina

Ein Spielfilm von Tamer El Said
Ägypten 2016, 118 Min., Originalfassung (Arabisch) mit deutschen Untertiteln




Wie erzählt man im Kino das Universum einer Stadt? Diese Frage beantwortet der Film Tamer el Saids aufs Überzeugendste. Khalid ist Filmemacher und auf Wohnungssuche in Kairo. Mitten in einer kreativen und persönlichen Krise arbeitet er an einem Porträt über seine Stadt und kann sich nicht entscheiden, in welche Richtung sein Dokumentarfilm gehen soll. Er diskutiert mit drei befreundeten Filmemachern - der eine hat Bagdad verlassen und lebt als Flüchtling in Berlin, der andere ist dort geblieben, der dritte lebt im aufgewühlten Beirut. Während der Zuschauer mit Khalid und seinem Makler den langen Winter vor der Revolution kennen lernt, entdeckt er auch Ägyptens Hauptstadt als lebendigen Organismus und zugleich als Landkarte der Sehnsüchte und Träume.


 
Kairo Tage - 40 Jahre Städtepartnerschaft Stuttgart - Kairo
So. 10. November 10:00
Die Jungfrau, die Kopten und ich
Ein Film von Namir Abdel Messeeh
Ägypten 2012, 85 Min., Originalfassung (Arabisch) mit deutschen Untertiteln




Namirs Mutter ist eine koptische Christin. Sie ist überzeugt, dass sie auf einem Video aus ihrer ägyptischen Heimat eine Erscheinung der Jungfrau Maria gesehen hat. Ihr Sohn, der säkular in Frankreich aufgewachsen ist, will über das Phänomen einen Film drehen, reist zu seinen ägyptischen Verwandten zunächst nach Kairo und führt danach seine Recherchen auf dem Land fort. Er will den Zusammenhang zwischen der ägyptischen Zeitgeschichte und den Marienerscheinungen der koptischen Minderheit aufzeigen. Doch es gibt diverse Hindernisse: seine Eltern, die sich in den Film einmischen und seine Ideen kritisieren, sein französischer Produzent, der alle paar Wochen Änderungen vorschlägt, und nicht zuletzt das koptische Heimatdorf selbst. In schierer Verzweiflung beschließt Namir, seine eigene Marienerscheinung für den Film zu inszenieren. Aber dazu braucht er die Hilfe der Dorfbewohner und seiner Mutter, die, eigens angereist, am Set ungeahnte Fähigkeiten offenbart.

Die Kopten
Die Kopten gehen auf die Anfänge des Christentums zurück, auf die Zeit, als Ägypten zum Römischen Reich gehörte, das auf das Byzantinische Reich folgte, nach der letzten pharaonischen Dynastie der Ptolomäer. Das Wort „koptisch“ hat dieselbe Wurzel wie der Ausdruck „ägyptisch“ im Altgriechischen. Ihr Niedergang begann mit der arabischen Invasion im 7. Jahrhundert und der zunehmenden Islamisierung des Landes, bis hin zur heutigen absoluten Mehrheit der sunnitischen Muslime.
Heute definieren sich die ägyptischen Kopten als die größte und älteste christliche Gemeinschaft des Mittleren Ostens. Ihre genaue Anzahl ist eines der bestgehüteten Geheimnisse in Ägypten. Man geht von ungefähr 7,5 Millionen Kopten aus, was 10 Prozent der ägyptischen Bevölkerung entspräche und sie zur wichtigsten christlichen Minderheit im arabischen Nahen Osten macht.



 
Kairo Tage - 40 Jahre Städtepartnerschaft Stuttgart - Kairo
Mo. 11. November 19:00
Sheikh Jackson
Ein Spielfilm von Amr Salama
Ägypten 2017, 93 Min., Originalfassung (Arabisch) mit deutschen Untertiteln




Die Nachricht vom plötzlichen Tod Michael Jacksons trifft Khaled, einen jungen konservativen Imam, tief. Als leidenschaftlicher Fan des King of Pop hatte er in seiner Jugend gegen den strengen Vater revoltiert und stürzt nun in eine Glaubenskrise. Obendrein erscheint Michael Jackson (gespielt von Michael Jackson Imitator Carlo Riley) beim Gebet in der Moschee…

Die schräge Tragikomödie, Ägyptens Beitrag für den Oscar 2018 in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“, ist eine liebevolle Hommage an Jackson Vermächtnis im Nahen Osten und eine faszinierende Charakterstudie.



 
Kairo Tage - 40 Jahre Städtepartnerschaft Stuttgart - Kairo
Di. 12. November 19:00
Oum Kulthum
El Sakia Puppentheater mit Live Musik, anschließend
KAIRO 678
Ein Spielfilm von Mohamed Diab
Ägypten 2010, 100 Min., Originalfassung (Arabisch) mit deutschen Untertiteln




Ein Jahr nach dem arabischen Frühling zeigt KAIRO 678 den gesellschaftlichen Umbruch in Ägypten aus der bisher nicht gezeigten Perspektive der Frauen. KAIRO 678 bietet einen tiefen Einblick in die ägyptische Gesellschaft und wagt es, das tabuisierte Thema der sexuellen Belästigung aufzugreifen. Der Film erzählt von drei Frauen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, die sich nicht länger mit männlichen Übergriffen abfinden wollen. Fayza (Bushra) wird ständig in den überfüllten Bussen der Metropole begrapscht, Seba (Nelly Karim) wurde vor Jahren Opfer einer Massenvergewaltigung und Nelly (Nahed El Sebaï) ist bei einem Überfall nur knapp ihren Peinigern entkommen. Ganz unterschiedlich reagieren die Frauen, die nicht mehr Opfer sein wollen – die eine zieht vor Gericht, die andere das Messer.
KAIRO 678 führt vor, welch großer Wandel in der ägyptische Gesellschaft gerade vor sich geht. Mit viel Einfühlungsvermögen und großer Eleganz nähert Regisseur Mohamed Diab sich in seinem Regiedebüt einem heiklen Thema, erzählt von einer rücksichtslosen Männergesellschaft und Frauen, die sich gegen traditionelle Rollenmuster zur Wehr setzen. Bushra und Maged El Kedwany wurden als beste Hauptdarsteller ausgezeichnet.


 
Kairo Tage - 40 Jahre Städtepartnerschaft Stuttgart - Kairo
Mi. 13. November 18:00
Live Musik, Literatur
und arabische Spezialitäten


Arabische Musik und Poesie in arabischer Sprache.
Sprecher Mostafa Saieed begleited von Ouds Klängen.
Die »Weltsprache der Poesie« ist gewiss mehr als jedes andere Medium dazu geeignet, in einen lebendigen Dialog mit der Musik einzutreten und Verständigung zu ermöglichen.

Live Musik der Gruppe „Babel“.



Oum Kulthum
El Sakia Puppentheater, Kairo



Festlicher Abschluß der KAIRO TAGE mit dem Auftritt des El Sakia Puppentheater aus Kairo mit dem Konzert von Oum Kulthum und Live Musik. Der Schauspieler Mustapha aus Kairo trägt in musikalischer Begleitung der Gruppe Babel, verträumten Klängen der Oud, kurze Schätze ägyptischer Literatur vor und entwirft poetische Bilder, die auf kunstvolle Weise Welt und Literatur verbinden.
Arabische Spezialitäten runden den Abend ab.

CAIRO - Wanting to infuse life in the cultural scene and playing on artistic nostalgia, puppet theatres in Egypt are re-enacting popular concerts that were performed at the old Opera House and other Cairo theatres in the last century.
One such an initiative is El Sakia Puppet Theatre’s performance of legendary Egyptian singer Umm Kulthum’s concerts. Under the title “Umm Kulthum Returns,” the theatre is reviving the Arab diva’s music with simulations of Umm Kulthum’s performances concerts the first Thursday of each month.
The audience enters the theatre quite some time before the curtain is raised and local radio announces the approaching time of the beginning of the concert. The curtain is raised exactly at the designated time and a live broadcast begins. The audience finds itself applauding with the one on the radio.
The eyes of the theatre audience fall on the puppet figure of Umm Kulthum, in an elegant dress and sitting on a chair on stage. They watch her as the musical introduction of the first song plays. Mohammed al-Qasabgi, Umm Kulthum’s famed lute player and composer, runs his fingers through the strings of his oud as do other players in the orchestra with their instruments. The music fills the air until imagination mingles with reality.
The orchestra is quite a sight. The players’ fingers move in coordination with the music. There are complete orchestral sections as well as duets and solo renditions. When the public demands an encore of some sections of the performance, the orchestra duly obliges, exactly like in the original concert.
When Umm Kulthum is finally at the microphone, a wave of applause breaks out. Then the puppet’s mouth starts moving in sync with Umm Kulthum’s recorded voice.
There is undeniable artistic effort put into the re-enactment of Umm Kulthum’s concert. The performance is meticulous in recreating the decor and the atmosphere of her performances. The puppets are carefully controlled and show the undeniable skills of the puppeteers.
The “Umm Kulthum Returns” project, like the other puppet shows focusing on towering music figures, attracts audiences and works well in bringing the legends of Arabic music to the attention of new generations.
The success of the Umm Kulthum puppet concerts is not indicative of the return of the puppet theatre to its former glory and influence. Staging Umm Kulthum’s concerts, beloved as they may be, should not be understood as heralding a return to the golden age of Egyptian music and its figures.
Quite simply, the audiences of these puppet shows are those who are willing to believe in the title of the show. In other words, feeling nostalgic for the return of Egypt’s first diva and for the return of the country’s superiority in the arts and culture, with all that it symbolises in terms of soft power, is an escape from bleak reality to an era filled of glee and pleasant living. That is the function of theatre, indeed.
At that time, puppeteering was associated with creativity and craftsmanship because entire theatre dramas, as well as operas with original lyrics, music, characters and storylines, used to be staged using just puppets.
The renaissance of the puppet theatre was part of a strategy to energise culture in Egypt and to establish an excellence mindset. This translated the government’s commitment to promoting art and literature by supporting them generously. The theatre enjoyed a sizeable share of official interest and support because it was deemed effective in disseminating official ideas and national strategies.
The decline of theatre and the arts in general is the other face of the medallion. State institutions have moved away from supporting the tools of soft power and private producers are primarily interested in profits. This is what El Sakia Puppet Theatre had gambled on by staging “Umm Kulthum Returns.”
Written by Sherif al-Shafei






 


 
zurück zum Menü