Theater am Olgaeck
 
Die verschlossene Tür
Autor: Fred von Hoerschelmann, ein Deutscher aus Estland
Regie: Marcus Helm

Ein Deutsch-Polnisch-Jüdisch-Estnisches Stück über den Sieg der Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten der Verfolgung und Vernichtung.

Die Verschlossene TuerDie Verschlossene TuerDie Verschlossene TuerDie Verschlossene TuerDie Verschlossene Tuer

Im Zuge der “Heim ins Reich Umsiedelung” der Deutschen aus dem Baltikum zieht Baron von Kedell in ein reiches polnisches Gut ein. Das Gut steht leer, das Haus ist von den polnischen Bewohnern verlassen, das Land wird den Deutschen zugeteilt.
Überraschend wird hinter einer verschlossenen Tür der ehemalige Gutsbesitzer, der schwerkranke jüdische Bankier Dr. Levi entdeckt. Baron von Kedell versteckt Dr. Levi vor den Nachbarn und Behörden durch die fünf Kriegsjahre hindurch. Er gibt ihn als seinen Bruder aus. Mit echter brüderlicher Sorgfähigkeit kümmert sich der Deutsche um einen verfolgten Juden, organisiert ihm sogar die ärztliche Betreuung. Die Gefahr die er dadurch beschwört, entzweit ihn von seiner Familie. Die Baronin Kedell kann es nicht verstehen daß Ihr Gatte das Leben und Wohl der Familie riskiert nur um einen “alten Juden” zu retten. Der für einen kurzen Familien Urlaub angekommene Sohn empfindet das Benehmen des Vaters als Vaterlandsverrat und kehrt empört an die Front zurück. Dennoch verstehen sich scheinbar der Deutsche und der polnische Jude nicht besonders gut, sie zerstreiten sich in politischen Diskussionen und ideologischen Festlegungen.

Die Verschlossene TuerDie Verschlossene TuerDie Verschlossene TuerDie Verschlossene TuerDie Verschlossene Tuer

Die kurzen Augenblicke scheinbarer Freundschaft und Versöhnung wechseln sich schnell mit Streitereien ab. Herkunft, Erziehung, die unmittelbare Nähe des Krieges mit all seiner Strapazen und Gefahren lassen keinen Platz für Wärme und Freundschaft der zwei Gegner.

Erst als die Beiden der Vernichtung gegenüberstehen, zeigt sich die brüderliche Verbundenheit. Umringt von Truppen der russischen Armee und polnischen Partisanen wechseln beide von der politischen Gegenüberstehung zu echter Freundschaft. Nur Einer von Zweien kann gerettet werden… Und diesmal zeigt der jüdische Bankier seine menschliche Größe und Dankbarkeit für die Auffopferung des deutschen Barons.
Ein Sieg der Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten der Verfolgung und Vernichtung.


Die Verschlossene TuerDie Verschlossene TuerDie Verschlossene TuerDie Verschlossene TuerDie Verschlossene Tuer

Ein Deutscher aus Baltikum, ein fast vergessenes Kapitel deutscher Rundfunkgeschichte, Fred von Hoerschelmann (geb. 1901 in Hapsal/Estland; gest. 1976 in Tübingen) war ein “Geheimschreiber ihrer Majestät, der Literatur” – eine Formulierung, die Alfred Andersch für Autoren prägte, deren Wirkung sich speziell in den Rundfunkprogrammen entfaltet.
Der Sohn eines baltischen Barons avancierte in der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit zu einem solchen Hörspielautor par excellence. Im Unterschied zu anderen Funkpoeten, die immer auch für den Buchmarkt schrieben, konzentrierte sich von Hoerschelmann seit den 1950er Jahren völlig auf sein facettenreiches Radio-Oeuvre. 1953 entstand Hoerschelmanns novellistisch zugespitztes Flüchtlingsdrama “Das Schiff Esperanza”, das mit Übersetzungen in 20 Sprachen international Anerkennung fand und den Typus des dramatischen Hörspiels der 1950er Jahre schlechthin verkörpert. Neben Günter Eichs “Mädchen aus Viterbo” (1952) setzte Fred von Hoerschelmann mit seinem Hörspiel “Die verschlossene Tür” (1952) einen wichtigen Akzent in der Aufarbeitung der zurückliegenden Jahre des Krieges und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Medium Hörspiel. Hoerschelmann schrieb ein Stück über die Brüderlichkeit in Zeiten der Verfolgung und Vernichtung.

In Kooperation mit dem Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg

2¼ Stunden mit Pause
 zurück zum Menü