Theater am Olgaeck

La Gioconda
die Beute und ihr Opfer

Ein Stück Theater für ein Gemälde und einen Schauspieler

Schauspiel
von Patrick Batarilo
mit Frank D. Sollmann

Frank Sollmann
Nicht immer war der Louvre so gut gesichert wie heute. 1911 gab es jedenfalls weder besondere Sicherheitsmaßnahmen, noch eine Alarmanlage. Diesen Umstand machte sich am Nachmittag des 22. August der italienische Glaser Vincenzo Perruggia zunutze – und raubte eben mal as berühmteste Gemälde der Kunstgeschichte: die Mona Lisa. Zwei Jahre blieb sie verschwunden.

“La Gioconda – die Beute und ihr Opfer” erzählt die Geschichte ab dem Moment, als in dem perfekten Plan etwas schief läuft: Seine Auftraggeber lassen Perruggia im Stich. Zwei Jahre verbringt er mit dem Gemälde in seiner Dachmansarde in Paris. Zwei Jahre, in denen er vergeblich darauf wartet, die Mona Lisa zu Geld machen zu können, um endlich ein neues Leben anzufangen.

Das Prekariat des Jahres 1911 – narzißtisch und erfolgshungrig, von der Gesellschaft entäuscht und gedemütigt, von Visionen von Künstlertum und Vorahnungen von Kriegsfreuden getriebnen: anderthalb Stunden lang kämpft, lacht, weint, witzelt und vögelt der Schauspieler Frank D. Sollmann in der Rolle des eingewanderten italienischen Hilfsarbeiters Vincenzo Perruggia mit dem berühmtesten Gemälde der Kunstgeschichte. Perruggia will den großen Coup landen, um es sich und der Welt zu beweisen. Doch die Mona Lisa - wie es sich für ein Kunstwerk der Championsleague gehört - spiegelt beim Blick in ihre Augen nicht nur Perruggias Hoffnungen wider, sondern auch gleich noch die Niederlagen, die Abgründe, die kleinen und die großen Lügen seines Lebens.

Vor allem hat Perruggia definitiv ein Frauenproblem. Abgelegte Lieben, fremde grausame Schönheiten, die eigene Mutter, alle die Gestalten des Weiblichen, die er sicher in weiter italienischer Ferne wähnte – durch das Bild kommen sie zu neuem Leben, mal angenehm, mal eher schmerzhaft, auf jeden Fall unberechenbar. Es ist eben die Mona Lisa, von der selbst die Experten nicht sagen können, ob sie nun eine Prostituierte, die Gattin eines Florentiner Patriziers oder eine schwerkranke Frau war oder vielleicht sogar einfach – Leonardo selbst. Wie soll sich da Vincenzo Perruggia sicher sein, mit wem er es zu tun hat?

Dann klopft es an der Tür und Perruggia stellt gespannt das Bild ab – der Auftraggeber, die Polizei? Oder die reale Frau in seinem Leben, die Vincenzo über der Mona Lisa vollkommen vergessen hat? Er könnte sich stellen, zunächst einmal der Wirklichkeit – oder doch noch eine Lüge draufsetzen und versuchen das Bild nach Italien heimzuführen und es als angeblicher Patriot den Florentiner Uffizien zu verkaufen…

Ein Stück über Jahrhundertdiebstähle, die Kraft der Bilder, große Pläne, tiefe Stürze und entsetzliche Frauen. Narzißtische Kränkung garantiert. Mit einem erstaunlichen Ende, wie es nur die Wirklichkeit schreiben kann. Alles gewürzt mit schönstem Selbstbetrug, einigen wichtigen Tipps wie man das perfekte Verbrechen ausführt, und einer wohldosierten Prise Aufbruchstimmung.

Patrick Batarilo hat in Berlin in der “Brotfabrik” das Stück “Das Weißensee-Experiment" geschrieben und inszeniert. In Frankreich hat er in Paris mit Ismael Jude 2002 “Je parle à la télé” inszeniert. In Karlsruhe hat er 2005 und 2006 Motto-Partys mit Video-Karaoke und Schauspiel veranstaltet und war Regisseur und Schauspieler/Sprecher bei der Tatort-Performance “Reifezeugnis”” in der “SCENE in der Stadtmitte”.

Für Frank D. Sollmann, ist La Gioconda das zweite Ein-Personen-Stück nach “Schiller, Tod und Teufel” von Peter Braun. Aktuell ist er als Gast am Sandkorn-Theater Karlsruhe in den Produktionen “Elling”, “Kabale und Liebe”, “Effi Briest” und “Die Nacht davor” zu sehen.
 
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