Theater am Olgaeck
C h a r l o t t e n s t r a ß e   4 4 ,  S t u t t g a r t
Gastspiel des Theater Szene 03
Loriots Dramatische Werke
 
Sketche: „Kosakenzipfel“, „Der Lottogewinner“, „Herren im Bad“,
„Der sprechende Hund“ und viele andere
Darsteller:Friedel Raff, Gudrun Steinle, Kerstin Dehning-Perc, Frithjof Künzel, Karsten Spitzer und Tristan Materna
Regie:Jürgen Siehr
Loriots Dramatische Werke

Das schreibt die Presse:
Stuttgarter Zeitung, 6.11.04, Gerlinde Wicke-Naber
Ein Wiedersehen mit Herrn Müller-Lüdenscheidt
Loriot-Fans kommen im Theaterkeller voll auf ihre Kosten.

Mit viel Liebe zum Detail hat Jürgen Siehr 16 Sketche aus der etwa 40 Stücke umfassenden Sammlung des Altmeisters Loriot alias Vicco von Bülow in Szene gesetzt. Darunter so bekannte Klassiker wie „Herren im Bad“ und „Deutsch für Ausländer“. (…)

Seit Jahrzehnten schon mischt Siehr in der Theaterszene der Region mit, seit knapp zwei Jahren leitet er die gleichnamige Truppe „Theater Szene 03“. (…) Zuletzt brillierte er im Frühjahr mit Karsten Spitzer in Süßkinds „Kontrabaß“. Spitzer ist auch dieses Mal wieder mit dabei. (…) Er überzeugt vor allem in den Zweipersonenstücken mit Tristan Materna. (…) Paarprobleme beim Frühstück, Kußtraining für altgediente Ehepaare oder eine Parodie auf das alte Thema Liebe im Büro – die sieben Schauspieler zeigen den ganz alltäglichen Wahnsinn in den typisch deutschen Kleinbürgerstuben.

Manche Stücke werden die Zuschauer zum ersten Mal mit realen Schauspielern sehen. Denn einige Figuren, wie auch die Herren Müller-Lüdenscheidt und Klöbner kennt man bisher nur als von Loriot gezeichnete Knollennasenmännchen.

Kreiszeitung, 8.11.04, Anna Deylitz
Szenen des alltäglichen Wahnsinns.
Sindelfingen - Man kennt sie mit Loriot und Evelyn Hamann, oder aber mit den Knollennasen-Männchen von Loriot. Jetzt spielt das Ensemble der Theater Szene 03 Loriot-Sketche. Und das durchaus erfolgreich. Man kann sie wohl kaum toppen, diese Szenen alltäglichen Wahnsinns, die Loriot, alias Vicco von Bülow selbst geschaffen hat, aber man könnte sie kaputt spielen. Regisseur Jürgen Siehr ist es gelungen, sehr leise diesen wunderbaren Sketchen Eigenes hinzuzufügen, ohne sie wirklich umzubiegen. Und so sitzen denn in der ersten Szene vier Schauspieler, zwei Ehepaare, ein wenig aufgebrezelt die Damen, und man weiß, aha, der "Kosakenzipfel". Die Szenen erweisen sich als außerordentlich gut spielbar, die Spieler als ihnen gewachsen und das Ganze wird zu einem Hauptspaß.

Man kann kaum sagen, welcher der sieben Schauspieler in welcher der Szenen seine besondere Stärke ausspielt. Kerstin Dehning-Perc, Frithjof Künzel, Tristan Materna, Friedel Raff, Jürgen Siehr, Karsten Spitzer und Gudrun Steinle erweisen einmal mehr ihre Vielfalt und ihre Fähigkeit, sich auch in solchen kurzen Sketchen schnell in Rollen hineinzufinden. Vielleicht sind es dabei die weniger bekannten Szenen, die besonderen Spaß machen, wie etwa die peinlich-schöne Geschichte mit dem armen Filmmonster-Menschen, der diese Rolle so hervorragend ausfüllt, weil er einfach er selbst bleiben darf/muß, oder die absurde Geschichte von dem armen Interviewer, dem man anstelle eines Astronauten einen freundlich-interessierten Beamten vorgesetzt hat. (…)

Vielleicht hätte man mit den Requisiten noch ein wenig sparsamer umgehen können, um die Zwischenzeiten und damit den Abend zu verkürzen, aber die Zwischenmusiken passen gut und sind unterhaltend. Wenn dann die Texte sitzen, Licht und Technik klappen, wie bei dieser Aufführung, dann kann man einmal mehr gut unterhalten und ein wenig beschwingter heimgehen.

Sindelfinger Zeitung, 9.11.04, Ulrich Holthausen
Viel Spaß auf hohem Niveau
Theater Szene 03 überzeugt mit Loriots Dramatischen Werken im Theaterkeller
Das durchaus gewagte Unterfangen ist vollauf geglückt: Theater Szene 03 präsentierte "Loriots Dramatische Werke" auf der Bühne des Sindelfinger Theaterkellers. Unterhaltung der Spitzenklasse sind Loriots Sketche ohnehin, doch gute darstellerische Arbeit und eine originell gradlinige Inszenierung sorgten für einen amüsanten Abend auch im Bühnenformat.

Es ist eben doch eine verflixt ernste Angelegenheit mit dem Humor. Und da ist die Umsetzung jener banalen Genialität Loriots im Zusammenspiel von den Texten skuriller Alltäglichkeiten und unaufgeregt authentischer Darstellung auf die Bühne ein riskantes Unterfangen.

"Herren im Bad", das Vanillebällchen am "Kosakenzipfel" oder "der Lottogewinner" sind längst zu Klassikern der deutschen Humorlandschaft avanciert. Und diese Sketche sind wohl vertraut. Schon vor dem ersten Ansatz hagelt es dann Lacher im übervollen Theaterkeller. Drastisch wirklich im kargen Strich - die Umsetzung in die Gegebenheiten der Bühne war da die große Frage. Regisseur Jürgen Siehr beantwortet sie. Strikt bleibt er bei der kongenialen Wortwahl Vicco von Bülows. Doch er setzt auch Akzente.

Wie die schwäbische Pointierung durch Gudrun Steinle. Und er baut für jeden Sketch ein kleines Bühnenbild auf. Dadurch behaupten sie ihre wichtige eigene Authentizität. Und selbst die zuvor nur als Zeichentrickfilm mit den legendären Knollennasenmännchen bekannten "Feierabend", "Herren im Bad" oder "Der sprechende Hund" werden auf der Bühne da live lebendig.

Doch daß "die Lieblingsfarbe grau" in all ihren Schattierungen auf der Bühne dann auch wirklich funkelt ist auch ein Verdienst guter darstellerischer Arbeit. Mit loriotschem Darstellerpotential eines Frithjof Künzel, Karsten Spitzer und "Evelyn Hamann" Gudrun Steinle an der Spitze.

Live und auf der Bühne werden bei dem etwas anderen Loriot Erlebnis die legendären Humor Klassiker lebendig. Unterhaltsam und kurzweilig. (…) Jürgen Siehrs "Versuch mit Theater Szene 03 auch mal etwas Lustiges anzubieten", scheint gelungen. Und das auf hohem Niveau. Und den Besucher beschleicht die bange Frage: Kann Unterhaltung pur etwa auch Tiefgang haben? Ach was.
 

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