Gastspiel des Gesangs- und Tanzensemble Ychtis aus Kattowitz
Der Himmel in guter Stimmung
 
Ein humorvolles Tanzspektakel für das Publikum jeden Alters, entstanden 2005 zum 90. Geburtstag des Pfarrers Jan Twardowski und zum 10-jährigen Bestehen der Tanzgruppe „Ychtis”. Das Ensemble „Ychtis” arbeitet mit vielen international erfolgreichen polnischen Künstlern zusammen: Ewa Uryga – eine der besten Jazz- und Gospelsängerinnen, Jacek Wójcicki – Künstler der bekannten „Piwnica pod Baranami” aus Krakau, Bernard Krawczyk – Schauspieler der schlesischen Szene und vielen anderen.



Die Mitglieder der Gruppe sind mir besonders nahe als Sänger der Gedichte von Pfarrer Jan Twardowski. Ich hatte die Ehre und die Freude, fast 23 Jahre mit dem Pfarrer-Poeten befreundet zu sein und mit ihm zusammenzuarbeiten. Auch in seinem Namen möchte ich garantieren, daß die kleinen Mädchen aus Schlesien eben das realisieren, was der größte Traum des Pfarrers war.
In einem seiner frühen Gedichte können wir lesen:

Heilige Frau mit Kinderhändchen
im Heft gemalt–
schön wie einfach gezeichnete Linie
bete für uns

In einem anderen Gedicht spricht die Gottesmutter: „…mögen die Kinder meine Schönheit malen […] mit der Hand, die voll des ersten Erstaunens ist”. Das hat eben Frau Barbara Pelka erreicht. Ihre Schützlinge, acht-, zehn-, zwölfjährige Mädchen, singen die Gedichte von Pfarrer Jan Twardowski und geben deren einzigartige Schönheit und, was am wichtigsten ist, den tiefen Sinn wieder. Das tun die Mädchen mit ihrer Kindersensibilität, in der es – ich zitiere den Poeten – „so viel des ersten Erstaunens” gibt. Man könnte die Frage stellen, wie es möglich ist, daß kleine Kinder die Gedichte singen, die häufig sehr schwierig sind und deren Interpretation sogar den erwachsenen Lesern Schwierigkeiten bereitet. Der Pfarrer Twardowski hatte in dieser Hinsicht keine Bedenken, daß es sich um eines der evangelischen Geheimnisse handelt, das von Adam Mickiewicz wie folgt verfaßt wurde:

Der Herr offenbart den Kleinen,
Was er den Großen verweigert.

Es muß noch ein anderer wichtiger Aspekt der Arbeit von Frau Pelka erwähnt werden, der in Schlesien einen besonderen Hintergrund hat. Der Pfarrer Jan Twardowski war in einer seiner Lebensphasen mit der Stadt Kattowitz dermaßen verbunden war, daß diese Stadt außer der Familienstadt Warschau die einzige ist, die zu seiner Stadt benannt werden kann. Nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes und der Zerstörung des Bürgerhauses an der Elektoralnastraße 49, wo die Familie Twardowski gewohnt hat, sind die Eltern zu ihrer Tochter Lucyna Knichowiecka nach Kattowitz umgezogen. Die Wohnung in dem berühmten Hochhaus an der Straße Zwirki i Wigury spielte seit diesem Zeitpunkt die Rolle des Familienhauses. Hier verbrachte der Poet jede klerikalen Ferien und Sommerferien, besuchte das Grab seines Vaters, der im Jahre 1945 gestorben war. Nach der Priesterweihe am 8. Juli 1948 hat er in der Kirche der Heiligen Apostel Petrus und Paulus eine Messe gelesen, die so genannte Primiz.
Die Mutter des Pfarrers Twardowski ist erst im Jahre 1971 gestorben. Bis zu dieser Zeit hat der Pfarrer sie regelmäßig besucht und später kam er, um am Grab der Eltern zu beten. In Warschau ging er nur auf dem Powazki-Friedhof spazieren. Die Gräber der Familienangehörigen gab es aber nur in Kattowitz. Leider sind diese Tatsachen im Bewußtsein der Kattowitzer und der Institutionen, die für Verbreitung ähnlicher Fakten zuständig sind, immer weniger präsent. Von daher spielt die Gruppe „Ychtis” in diesem Zusammenhang eine unheimlich wichtige Rolle, die nicht zu unterschätzen ist.
Dies läßt mich meine Überzeugung aussprechen, daß die Aufführung der Kinder sowohl die polnischen als auch die ausländischen Zuschauer in Kenntnis darüber setzt, daß der polnische exzellente Lyriker in unseren Herzen als das liebe „Großväterchen” bleibt. Meine Erwägungen möchte ich mit den Worten von Papst Johannes Paul II., die sich auf den Pfarrer Jan Twardowski beziehen, abschließen: „Nur Er schreibt so schön und führt durch seine Lyrik die Menschen zu Gott”.

Waldemar Smaszcz

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