Literarischer Salon Theater am Olgaeck
 
 
 
Beziehungsgeschichten

Rudolf Guckelsberger ist erneut Ihr literarischer Gastgeber im Literarischen Salon im Theater am Olgaeck. Mit Erzählungen von Franz Kafka, Joseph Roth, Sándor Márai, Thomas Mann und Dostojewski präsentiert er Juwelen der Weltliteratur – jede einzigartig und kaum mit der anderen vergleichbar. Was sie dennoch verbindet? Es sind allesamt Beziehungsgeschichten. Dramatische Kompositionen, daß einem bisweilen der Atem stockt. Grandios erzählt und wert, gehört zu werden!

 

Di, 9. Oktober 2007, 20 Uhr
Franz Kafka
Die Verwandlung

(1915)

“Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.” Was so beginnt, ist ungleich mehr als eine “insekten-kundliche Phantasie” – es ist der Auftakt und Ausdruck einer erschütternden Familientragödie. In Gregors Schreckgestalt blickt den Eltern ihre eigene Unmenschlichkeit entgegen! – Eine qualvolle Groteske, spannend von der ersten bis zur letzten Seite.

 
Di, 13. November 2007, 20 Uhr
Joseph Roth
Hiob

Roman eines einfachen Mannes
(1930)

Mendel Singer, ein frommer Dorfschullehrer in Ostgalizien, wird durch unbarmherzige Schicksalsschläge in die Rolle Hiobs im Alten Testament gedrängt. Er verliert alles: Heimat, Sohn, Tochter, Frau… “Es galt, nur noch eine Beziehung zu kündigen” – mit diesem Satz sagt sich Mendel schließlich von Gott, dem Urheber seiner Leiden, los. Aber in der Verzweiflung wird ihm die Gnade zuteil… “Und er ruhte aus von der Schwere des Glücks…” – Eine ergreifende Erzählung!

 
Di, 11. Dezember 2007, 20 Uhr
Sándor Márai
Die Glut

(1942)

Zwei Freunde treffen sich nach 41 Jahren (!) zum ersten mal wieder: Henrik und Konrad. Endlich kann das Geheimnis ihrer verratenen Freundschaft gelüftet werden. Denn zwischen ihnen steht, obwohl längst tot, immer noch Krisztina, Henriks Frau… Eine banale Dreiecksgeschichte also? Weit mehr! In dem nächtlichen Gespräch der beiden alten Männer geht es nicht um Enthüllung und Rache, es geht um das, was die Freunde sich und Krisztina bis heute schuldig geblieben sind… Lauschen Sie einem wunderbaren Dialog am winterlichen Kamin eines verfallenden Jagdschlosses.

 
Erster Teil: Di,  8. Januar 2008, 20 Uhr
Zweiter Teil: Di, 12. Februar 2008, 20 Uhr
Thomas Mann
Der Erwählte

(1951)

Auch dies, Thomas Manns letzter vollendeter Roman, ist eine Beziehungsgeschichte. Und was für eine! Es geht, kurz gefaßt, um Wollust und Inzest, um klösterliche Frömmigkeit, Rittertum und – o Schande! – abermaligen Inzest, um härteste Buße und die Unermeßlichkeit göttlicher Gnade: ein zutiefst ins Verderben gefallener Sünder ist am Ende (oder schon von Anfang an?) “Der Erwählte“. Thomas Mann erzählt die Geschichte eines Papstes mit so überbordender Phantasie und virtuoser Lust am Fabulieren, daß wir sie, um nicht zu viel weglassen zu müssen, in zwei Teilen präsentieren:

 
Di, 11. März 2008, 20 Uhr
Fjodor M. Dostojewski
Der Großinquisitor

aus: Die Brüder Karamasow (1879/80)

Iwan Karamasows “Phantasie” ist der krasseste Gegensatz zu Thomas Manns gnadenvoller Erzählung! Was geschieht? Christus erscheint in Sevilla, in Menschengestalt. Der Großinquisitor, empört über die “Störung” seiner Autorität, verhaftet ihn und klagt Jesus an, er habe die leidenden Menschen mit seiner Botschaft von der Freiheit nicht erlöst, sondern im Gegenteil: ihr Unglück vervielfacht. Und der Diktator verurteilt Christus “als den schlimmsten aller Ketzer” zum Tod auf dem Scheiterhaufen! Ein atemberaubender, brutaler Monolog, dem man sich kaum entziehen kann – und großartige Literatur!

 


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