Theater am Olgaeck
C h a r l o t t e n s t r a ß e   4 4 ,  S t u t t g a r t
Dostojewski – unbekannt

Lesungen mit Rudolf Guckelsberger

 
Rudolf Guckelsberger Rudolf Guckelsberger, der bekannte Rezitator und Sprecher des SWR, ist ein ”Vorleser“ im besten Sinne des Wortes und überdies ein ausgewiesener Kenner der russischen Literatur. Seine Lesungen sind stets ein unvergleichlicher Hörgenuß!
Rudolf Guckelsberger setzt seine exquisite Lesereihe im Theater am Olgaeck fort: Nach Novellen von Nikolaj Gogol folgen nun vier Stücke von Fjodor M. Dostojewski. Die großen Romane dieses Titans der russischen Literatur hat der eine oder andere vielleicht gelesen, seine Erzählungen sind indes den meisten völlig unbekannt. Das wollen wir ändern. Denn es sind wahre Meisterstücke!

 
Dienstag, 10. Januar 2006, 20 Uhr
Das Krokodil
Ein ungewöhnliches Ereignis ( 1865 )

Der Untertitel ist eine glatte Untertreibung, denn was wäre ungewöhnlicher als das: Ein Beamter wird bei einer Tierschau in Petersburg von einem Krokodil verschlungen – und richtet sich im Innern des Reptils häuslich ein! Er beschließt, als Berühmtheit, die er nun geworden ist, die Welt durch grandiose sozioökonomische Theorien zu beglücken. Allein, sein Verschwinden bleibt ganz unbeachtet und seine Frau genießt das Leben als Strohwitwe. In jeder Einzelheit eine bissige politische Satire! Und höchst aktuell dazu!

 
Dienstag, 14. Februar 2006, 20 Uhr
Bobók
Aufzeichnungen einer gewissen Person ( 1873 )

Der Erzähler besucht einen Friedhof – und hört das leere Geschwätz derer, die hier begraben sind. Ihr albernes und selbstsüchtiges Treiben auf der Welt wird nur noch überboten von der Schamlosigkeit, mit der sie es hier im Grabe fortsetzen: Auf zum letzten noch möglichen Genuß! Und endlich ohne jede Beschränkung! Denn was jetzt noch kommt, ist ja doch nur: “bobók” – der blubbernde Laut platzender Luftblasen an der Oberfläche fauliger Sümpfe! – Ein grotesk-orgiastischer Totentanz der Moderne. Hätten Sie das von Dostojewski erwartet?!


 
Dienstag, 14. März 2006, 20 Uhr
Die Sanfte
Eine phantastische Erzählung ( 1876 )

Dostojewskis letzte und vollkommenste Erzählung! Sie handelt von der Tragödie einer gescheiterten Ehe: In einem erschütternden Monolog, gehalten am offenen Sarg seiner Frau (die sich vor Stunden mit einer Ikone in der Hand aus dem Fenster gestürzt hat), offenbart und erkennt sich der Ich-Erzähler als jemand, der Liebe stets mit Macht verwechselt hat. Er, sein unstillbarer Selbstbehauptungstrieb, hat ”die Sanfte“ in den Selbstmord getrieben. – Was tut ein Mann, der sich nach dieser Erkenntnis als lebender Leichnam in einer toten Welt begreift?


 
Dienstag, 11. April 2006, 20 Uhr
Der Großinquisitor
aus: ”Die Brüder Karamasow“ ( 1879 / 80 )

Schauplatz dieser ”Legende“ ist Sevilla zur Zeit der Inquisition: Auf dem Domplatz erscheint plötzlich Christus. Er wird von der Menge erkannt – und auf Geheiß des Großinquisitors eingekerkert. Der Priester klagt Christus an, er habe die leidenden Menschen durch seine Worte und Taten nicht erlöst, sondern im Gegenteil: ihr Unglück vervielfacht. Dafür habe er, jetzt erst recht, den Tod auf dem Scheiterhaufen verdient! Er selbst aber, der Großinquisitor, werde mit Hilfe des Antichrist das Werk der Erlösung vollenden! Mit einem Kuß endet die ”Legende“… – Kein Dichter hat je mit so quälend genauer Logik den eigentlichen Grund für die Verurteilung Jesu zu Ende gedacht: seine ”unerträgliche“ Botschaft von der Freiheit der Kinder Gottes. Nach dieser Lesung werden Sie den kommenden Karfreitag anders erleben!


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