Literarischer Salon

 
 
Literatur pur
(„von B bis Z”)

Rudolf Guckelsberger lädt wieder ein zum Literarischen Salon ins Stuttgarter Theater am Olgaeck: Literatur pur („von B bis Z”). – Der Untertitel deutet schon an: Es geht nicht um Vollständigkeit. Aber mit Busch, Dickens, Mann, Werfel und Zuckmayer (eingerahmt von Zola und Dostojewski) ist der Bogen schon ziemlich weit gespannt. Das „Literatur pur” ist indes eine glatte Untertreibung, denn an zumindest vier der sieben Abende gesellt sich zum Wort die Musik, inhaltlich und akustisch. – Kommet zuhauf!

 

Di, 14. Oktober 2008, 20 Uhr
Emile Zola
Das Paradies der Damen

(1883)

Für alle, die wissen wollen, wie und warum Frauen verführt werden wollen, ist dieser Roman Pflichtlektüre. Und Genuß zugleich! „Das Paradies der Damen” – das ist die glitzernde Welt eines Pariser Warenhauses im 19 Jahrhundert. Dem Zauber der ersten Konsumpaläste konnten die Kundinnen damals nicht widerstehen. Reihenweise verfallen sie dem Kaufrausch. Und der fordert seine Opfer… Was Zola uns da berichtet (vom vernichtenden Konkurrenzdruck bis zu ausgeklügelten Werbestragien) ist so aktuell wie vor 125 Jahren!

 
Di, 11. November 2008, 20 Uhr
Wilhelm Busch
Eduards Traum

(1891)

Kurz vor Ende seines 100. Todesjahrs also noch einmal Busch – die Aufmerksamkeit für Deutschlands prominentesten Haushumoristen hielt sich 2008 ja ohnehin in Grenzen und vielen bleibt er ein Rätsel. Busch, ein launiger Verseschmied und heimlicher Sadist. Ein Witzemacher, dem die Welt zuwider war. Und ein grandioser Erzähler: „Eduards Traum” ist ein wunderbar buntes Kaleidoskop seiner Weltsicht. Grotesk, ironisch, heiter und vertrackt zugleich: „Ein Scherz, nicht ohne Fleiß durchdacht, zur Unterhaltung für wenige… ”

 
Di, 9. Dezember 2008, 20 Uhr
Charles Dickens
A christmas carol

(1843)

Zugegeben: Charles Dickens’ „Weihnachtslied” ist ein rührseliges Märchen: Wie der alte Geizhals Ebenezer Scrooge in einer Weihnachtsnacht von drei Geistern heimgesucht wird und sich schließlich vom boshaften Egoisten zum Lieblingsgroßvater aller Kinder wandelt – das ist hübsch erzählt und geht ans Herz.
Aber Dickens’ Sentimentalität entspringt immer dem Zorn über die Zustände. Er will aufrütteln und verändern. Und es gelingt ihm („alle Jahre wieder”) dank seines grandiosen Humors! – Am Klavier begleitet Thomas Rau.

 
Di, 13. Januar 2009, 20 Uhr
Thomas Mann
Fülle des Wohllauts

aus: Der Zauberberg (1924)

Kenner werden mit der Zunge schnalzen… Die Gästeschaft des Sanatoriums „Berghof” in Davos, einer mondänen Zufluchtsstätte für Lungenkranke, ist sämtlich dem Tode nah und wird nun überwältigt von einem Ereignis, das alles Bisherige in den Schatten stellt: Die feierliche Inbetriebnahme eines Grammophons samt etlicher Schellackplatten! In laszivem Ergötzen gibt man sich den akustischen Sensationen hin…
Genießen Sie Thomas Manns unübertreffliche Fabulierkunst … und natürlich (krächzend und knisternd) die dazugehörige Musik!

 
Di, 10. Februar 2009, 20 Uhr
Franz Werfel
Verdi

(1924)

Auf nach Venedig! Die morbide Lagunenstadt ist zwischen Weihnachten 1882 und Februar 1883 der Schauplatz einer nie stattgefundenen Begegnung: Seit zehn Jahren, seit der Aida und dem Requiem, hat Giuseppe Verdi nichts mehr komponiert! In seiner Not sucht er das Gespräch mit dem vermeintlichen Verursacher seiner Schaffenskrise: Richard Wagner. Am Abend des 13. Februar ringt er sich endlich zu einem Besuch durch – doch Wagner ist tot.
Werfels „Roman der Oper” ist packend, einfühlsam und voller Leidenschaft, wie die Musik, die zwischendurch erklingt.

 
Di, 10. März 2009, 20 Uhr
Carl Zuckmayer
Der Seelenbräu

(1945)

Wer „Don Camillo und Peppone” mag, wird auch diese beiden Streithähne lieben! Der „Seelenbräu”, das ist der Pfarrer Alt-Köstendorfs, und der reiche Brauherr Matthias Hochleithner, der „Leibesbräu”, bekämpfen einander unerbittlich. Und der Junglehrer Haindl verwirrt mit seiner Liebe zur schönen Clementine das Knäuel ihrer Zwistigkeiten noch mehr.
Aber am Ende, einem strahlenden Ostermorgen – und mit Hilfe der Musik! – kehrt Friede ein… Kraftvoll und lebensnah erzählt Zuckmayer diese wunderbar nostalgische Sehnsuchts- und Heimatgeschichte.

 
Di, 7. April 2009, 20 Uhr
Fjodor M. Dostojewski
Der Großinquisitor

aus: Die Brüder Karamasow (1879/80)

Hören Sie – wie schon in den vergangenen Jahren – diesen atemberaubenden Monolog eines Diktators im Mönchsgewand: Der Großinquisitor, empört über die „Störung” seiner Autorität, verhaftet den leibhaftig in Sevilla erschienenen Christus. Seine Anklage: Jesus habe die Menschen mit seiner Freiheitsbotschaft keineswegs erlöst, sondern im Gegenteil: ihr Unglück vervielfacht. Und verurteilt ihn zum Tod auf dem Scheiterhaufen! – Dem Sog Dostojewski’scher Argumentationskunst kann man sich kaum entziehen.
Dauer 1 Stunde 45 Minuten mit Pause



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Theater am Olgaeck