Koffer voller Sehnsüchte
Theater am Olgaeck

 

Hier wohnt T.T. ein Mann aus Makedonien

Monodrama von und mit Jusuf Gulevski

 

»Das Wort Gastarbeiter kennt sogar das jüngste Makedonienkind. Das ist Grund genug, ein Drama zu schreiben. Zwei Drittel der Makedonier leben außerhalb ihres Vaterlandes. Tag für Tag leben in Makedonien immer weniger der unsrigen. Das schmerzt bis ins Mark.« J.G.

Jusuf Gulevski, Akteur, Artist, Darsteller, geboren 1953 in Zirovnica, Makedonien. Studierte an der Hochschule für Theaterwissenschaften in Skopje. War ständiges Mitglied der Dramenbühne des Makedonischen Nationaltheaters Skopje. Jetzt freischaffender Künstler und am Theater tri- bühne im künstlerischen Bereich engagiert. Teilnahme an Theaterfestivals, zuletzt in Leipzig (»Manöver 97 Makedonische Invasion») und Stuttgart (Stuttgarter Europa Theater Treffen SETT 98). Der mehrjährige Aufenthalt in Deutschland »zwang mich, die Freuden, die Trauer und die Sehnsucht nach dem Süden in dieses Stück zu schreiben. In Deutschland erlangte ich mehrere Diplome, mein liebstes: Fensterputzer bis zum 8. Stock, von außen, ohne Sicherungsseil. Dank dem Herrgott, daß ich bis zum heutigen Tag am Leben und gesund geblieben bin.»

Zum Stück: Ursprünglich nach Deutschland gekommen, um den Kapitalismus durch Sabotage und Arbeitsverweigerung zu stürzen, versuchen sich drei Gastarbeiter nun in ihrer neuen Heimat durchzuschlagen. Obwohl die drei »Saboteure» sehr bald auffliegen, bleiben sie dennoch freiwillig in Deutschland und erleben hier die Zeit des Zerfalls des ehemaligen Jugoslawien und die Staatsgründung Makedoniens. Die drei »wie Freitag, Samstag und Sonntag miteinander verbundenen Freunde» verstehen sich – trotz der neu entstandenen politischen Situation in ihrem Heimatland, die ihnen eine Heimkehr letztendlich unmöglich macht – auch weiterhin als politische Gesandte der neuen alten Heimat. Sie suchen nach neuen Wegen, um den Ruhm dieser Heimat zu verbreiten. Roter Paprika, starker Mastika und scharfe Bohnensuppe – die »Reichtümer Makedoniens» – werden wiederholt den deutschen Gastgebern nahegebracht, was nicht immer gut enden will.
Der deutschen Sprache kaum mächtig, kommen die drei in diverse skurrile, wenn nicht schwierige Situationen. Daß sie diese immer wieder durch Improvisationsgeschick zu meistern verstehen, macht sie zu echten Botschaftern ihrer Heimat.
Makedonien, so der Autor Gulevski, sei ein Land, das es wie kaum ein anderes versteht, sich selbst »mit Null zu multiplizieren» und das einzige Land, das den Tag der Verzeihung feiert.  

 
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