Reisebilder Rußland – Irrwege und Umwege
Lesungen mit Rudolf Guckelsberger

 
Nach den erfolgreichen Lesereihen mit Erzählungen von Nikolai Gogol und Fjodor Dostojewski liest Rudolf Guckelsberger diesmal – wie gewohnt an jedem zweiten Dienstag im Monat – lustige und ergreifende Geschichten von Menschen, die (aus welchen Gründen auch immer) ihre russische Heimat oder vertraute Gewohnheiten verließen, um in der Ferne Neuland zu entdecken. Sie kommen alle irgendwo an, nur nicht am Ziel ihrer Pläne. Oder doch?

 

 
14. November 2006, 20 Uhr:
Die Reisen Benjamins des Dritten
Mendele Mojcher Sforim (1878)

Mendele, "der Buchhändler" (1835 – 1917), gilt als der ”Großvater der jiddischen Literatur“. Seine von jüdischem Humor strotzende Novelle ist eine herrliche Satire auf das armselige Leben im Schetl und die geistige Begrenztheit seiner Bewohner.
Benjamin, ein Müßiggänger und Träumer à la Don Quichote, will, beeindruckt von den Helden der Abenteuerromane, die er liest, in die weite Welt. Begleitet von Senderl, einem tumben Taugenichts, bricht er auf ins heilige Land – und fällt aus allen Wolken. Cervantes hätte seine helle Freude!

 
12. Dezember 2006, 20 Uhr:
Die Legende vom vierten König
Edzard Schaper (1961)

”Als das Jesuskind in Bethlehem geboren werden sollte, erschien der Stern, der seine Geburt anzeigte, auch einem König in Rußland.“ Der kleine, gutmütige Herrscher macht sich freudig auf und erreicht auch sein Ziel. Nur: mehr als dreißig Jahre später! Sterbend findet er den ”König der Welt“, zu dem er einst aufgebrochen war, auf dem Galgenberg vor Jerusalem!
Schapers zu Unrecht vergessene Legende ist ein kleines poetisches Meisterwerk aus dem Geist russischer Frömmigkeit; sie zu hören eine schöne Vorbereitung auf Weihnachten.

 
9. Januar 2007, 20 Uhr:
Russische Winterreise

Marja und Wladimir lieben sich und wollen, gegen den Willen ihrer Eltern, heiraten: Winternacht. Heimlicher Aufbruch. Schneesturm! Marja findet schließlich die verabredete Kapelle und heiratet – aber nicht Wladimir! Alexander Puschkin entführt uns mit seiner skurrilen Verwechslungsgeschichte in das Winterwunderland schlechthin. Zu ihm gesellen sich Tolstoi und Tschechow, Pasternak und Majakowski.
Unsere Einladung zu einer unterhaltsamen literarischen Schlittenpartie auf den Spuren von ”Väterchen Frost“!

 
13. Februar 2007, 20 Uhr:
“Unterwegs” mit Anna Grigorjewna und Fjodor Dostojewski

Im Februar 1867 hatten sie geheiratet und brachen im April zu einer Reise nach Deutschland auf. Aber nicht unbeschwerte Flitterwochen sollten es werden, sie flüchteten: vor Dostojewskis geldgierigen Gläubigern, seiner Spielleidenschaft, seiner Krankheit. Ein ungleiches Paar, verbunden durch ihre Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft in Rußland. Aber erst vier Jahre später (!) kehrten sie dorthin zurück.
Mit Briefen, Tagebuchnotizen und Romanausschnitten geben Rudolf Guckelsberger und Ulrike Goetz einen Einblick in diese bewegte Zeit.

 
13. März 2007, 20:00:
Russisches Frühlingserwachen
Iwan Bunin, Maxim Gorki, Nicolai Leskow

 
3. April 2007, 20 Uhr
Der Großinquisitor
aus: “Die Brüder Karamasow” von Fjodor Dostojewski ( 1879 / 80 )

Schauplatz dieser “Legende” ist Sevilla zur Zeit der Inquisition: Auf dem Domplatz erscheint plötzlich Christus. Er wird von der Menge erkannt – und auf Geheiß des Großinquisitors eingekerkert. Der Priester klagt Christus an, er habe die leidenden Menschen durch seine Worte und Taten nicht erlöst, sondern im Gegenteil: ihr Unglück vervielfacht. Dafür habe er, jetzt erst recht, den Tod auf dem Scheiterhaufen verdient! Er selbst aber, der Großinquisitor, werde mit Hilfe des Antichrist das Werk der Erlösung vollenden! Mit einem Kuß endet die “Legende”… – Kein Dichter hat je mit so quälend genauer Logik den eigentlichen Grund für die Verurteilung Jesu zu Ende gedacht: seine “unerträgliche” Botschaft von der Freiheit der Kinder Gottes.
Nach dieser Lesung werden Sie den kommenden Karfreitag anders erleben!

 
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